Es gibt diese Tage, an denen fühlt sich alles zu schwer an. Nicht nur ein bisschen müde oder traurig, sondern leer. So leer, dass jede Bewegung weh tut, jeder Gedanke an morgen zu viel ist. Und genau an diesen Tagen fragt man sich: Wie soll ich das noch aushalten? Wie lange noch? Warum fühlt sich das Leben so anstrengend an?
Ich kenne auch alle diese Fragen. Ich habe sie mir oft gestellt, in Nächten, in denen ich stundenlang wach lag und keine Kraft mehr hatte zu weinen. In Momenten, in denen ich das Gefühl hatte, dass niemand mich wirklich sieht. In Tagen, die sich grau anfühlten, egal, wie sehr draußen die Sonne schien.
Verzweiflung ist wie ein innerer Nebel. Sie kommt leise, aber plötzlich ist sie überall. Sie raubt dir die Sicht auf dich selbst. Auf deine Kraft. Auf deinen Wert. Und je länger du in diesem Nebel stehst, desto mehr glaubst du, dass er recht hat, dass du wirklich nicht mehr fühlst, dass du versagst, dass es keinen Sinn hat weiterzumachen.
Aber das stimmt nicht!
Auch wenn du es gerade nicht spürst, es ist noch nicht das Ende. Du bist nicht falsch, weil du nicht mehr weiterweißt. Du bist ein Mensch. Ein Mensch, der fühlt. Ein Mensch, der kämpft, auch wenn es niemand sieht. Und ein Mensch, der das verdient hat, was wir alle brauchen: Hoffnung.
Ich weiß, wie schwer es ist, Hoffnung zu finden, wenn alles in dir schreit, dass du keine Kraft mehr hast. Wenn alles in dir schreit, dass es einfacher wäre, loszulassen. Ich weiß, wie sich dieser Satz „Du darfst nicht aufgeben“ manchmal hohl anhört, wenn man innerlich schon längst gefallen ist. Aber ich schreibe dir das hier nicht, um dir leere Phrasen zu sagen.
Ich schreibe dir das, weil ich es selbst erlebt habe. Weil ich in meiner tiefsten inneren Leere irgendwann verstanden habe, dass ich nicht aufgeben darf, nicht, weil ich stark sein muss, sondern weil ich wichtig bin. Und weil du das auch bist.
Was mir geholfen hat, war nicht irgendein Wundermittel.
Es waren viele kleine, oft schmerzhafte Schritte. Ich habe begonnen, meine Gefühle nicht mehr wegzuschieben. Ich habe sie zugelassen, den Schmerz, die Wut, die Angst. Und das war schwer. Aber es war ehrlich. Ich habe eine Therapie gemacht. Zwei Jahre lang hatte ich endlich den Raum, mich selbst wiederzufinden, ohne Scham, ohne Maske. Ich habe gelernt, dass ich nichts leisten muss, um wertvoll zu sein. Dass es okay ist, nichts zu schaffen, solange ich atme. Ich musste lernen, dass es nicht egoistisch ist, an sich selbst zu denken. Dass „Nein“ zu anderen manchmal „Ja“ zu mir bedeutet. Ich musste lernen, dass Menschen unterschiedlich auftanken und dass ich das Recht habe, mir das zu geben, was ich brauche, um gesund zu bleiben. Und ich habe begonnen, mir Menschen zu suchen, bei denen ich nicht funktionieren musste. Die mich nicht mit Sprüchen vertrösteten, sondern einfach da waren. Still. Ohne Druck.
Wenn du auch gerade an diesem Punkt stehst, an dem du denkst, du kannst nicht mehr – bitte halte inne.
Du bist nicht allein. Auch wenn es sich gerade genau so anfühlt. Auch wenn du glaubst, dass niemand deine Gedanken versteht, dein Chaos, deine Tränen. Ich sehe dich. Und ich glaube dir. Du darfst fühlen. Du darfst zweifeln. Du darfst straucheln. Aber du darfst nicht aufgeben. Denn auch wenn du denkst, du hast nichts mehr zu geben, du gibst mit deiner bloßen Existenz schon mehr, als du ahnst.
Dein Leben ist wichtig. Du bist wichtig. Auch wenn du es gerade nicht glauben kannst. Auch wenn du keine Lösung siehst. Auch wenn dir alles zu viel ist. Es wird nicht immer so bleiben. Der Schmerz, den du heute fühlst, ist nicht dein ganzes Leben. Es ist ein Abschnitt, einer, der gerade sehr an dir zehrt. Aber nicht einer, der dich definiert. Und du musst ihn nicht alleine durchstehen. Hol dir Hilfe. Rede mit jemandem. Schreib deine Gedanken auf. Oder lies diese Zeilen immer wieder, wenn du es brauchst.
Du darfst dich retten. In deinem Tempo.
Es ist keine Schwäche, Hilfe zu brauchen. Es ist ein Zeichen von Mut. Denn du hast dieses eine Leben. Und auch wenn es gerade nur schwer ist, es kann wieder hell werden. Nicht auf einmal. Aber in kleinen Momenten. Und irgendwann wirst du zurückschauen und erkennen, dass du überlebt hast. Dass du wieder lächeln kannst, nicht aus Pflicht, sondern aus echtem Gefühl.
Und wenn du heute gar nichts kannst, dann tu nur eins:
Atme. Und glaube mir, auch das reicht für heute.
Wann war der Moment in deinem Leben, an dem du dachtest, du schaffst es nicht mehr und was hat dir geholfen, weiterzumachen? Vielleicht braucht jemand da draußen genau deine Geschichte, um selbst den nächsten Schritt zu wagen.
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